Reizdarm – 22 Vorschläge zur Behandlung

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Wie es mürrische und leicht gereizte Menschen gibt, so gibt es auch verschiedene Darmtypen. Unter Reizdarm versteht man die Reaktion des Magen-Darm-Trakts auf bestimmte Nahrungsmittel und Getränke und Streßsituationen im Leben. Anderen Menschen macht dies vielleicht überhaupt nichts aus, Betroffene aber reagieren mit Durchfall, Verstopfung und Bauchschmerzen.

Manche Ärzte sind der Meinung, daß der Reizdarm (medizinisch spastisches Kolongenannt) nach der Erkältung die häufigste medizinische Beeinträchtigung in Amerika ist. Lesen Sie, was Sie tun können, damit Ihr Darm weniger reizbar wird.

Nehmen Sie es nicht so schwer

Zwischen Streß und Reizdarm besteht ein direkter Zusammenhang, sagt Dr. Douglas A. Drossman von der Chapel Hill School of Medicine der University of Nord-karolina. Aber lassen Sie sich nicht durch die Tatsache stressen, daß Sie an Reizdarm leiden, weil Sie dadurch in einen Teufelskreis gerieten. Wenn Sie Bauchschmerzen haben, atmen Sie erst einmal tief durch. Erkennen Sie die Situation, die Ihnen bekannt vorkommt und die vorübergehen wird.

Entspannen Sie sich

Alle Mittel, die der Entspannung dienen, helfen auch gegen die Beschwerden eines Reizdarms, sagt Dr. Drossman. Vielleicht bringen Entspannungstechniken wie Meditation, Selbsthypnose oder Biofeedback Erleichterung. Wenn Sie gerade extremen Streßsituationen ausgesetzt sind, sollten Sie auch eine psychologische Beratung in Erwägung ziehen. Sie finden am besten selbst heraus, was Ihnen guttut.

Führen Sie ein Streß-Tagebuch

Wenn Sie an Reizdarm leiden, dann reagiert Ihr Verdauungssystem vermutlich empfindlich auf Speisen, Streß und hormonelle Veränderungen. Ihr Reizdarm ist wie ein eingebautes Barometer, an dem Sie ablesen können, welche Dinge und Ereignisse im Leben am stressigsten für Sie sind, sagt Dr. Drossman. Falls Sie zum Beispiel immer dann Magenschmerzen bekommen, wenn Sie mit Ihrem Chef reden, dann sollten Sie an dieser Beziehung arbeiten.

Führen Sie Buch über die Ernährung

Bestimmte Speisen und Getränke und auch Streß können die Darmbeschwerden aktivieren, so daß es hilfreich sein könnte, wenn Sie sich einmal aufschrieben, nach welchen Speisen und Getränken die Beschwerden auftreten, empfiehlt Dr. Drossman.

Essen Sie faserreich

Manchen Patienten mit Reizdarm geht es besser, wenn sie faserreiche Kost zu sich nehmen, sagt Dr. James B. Rhodes vom University of Kansas Medical Center in Kansas City. Fasern sind besonders effektiv bei Verstopfung und kleinen, harten Stühlen, können aber auch bei Durchfall helfen. Am besten sind nichtlösliche Faserbestandteile, wie sie in Kleie, Vollkornprodukten, Obst und Gemüse vorkommen.

Psylliumsamen helfen

Mit zerkleinerten Psylliumsamen können Sie die Faseranteile in Ihrer Nahrung erhöhen, sagt Dr. Drossman. Es ist ein natürliches Abführmittel, das im Reformhaus erhältlich ist. Im Gegensatz zu synthetischen Abführmitteln macht Psyllium nicht abhängig und ist sicher in der Anwendung, auch wenn es über einen längeren Zeitraum eingenommen wird.

Psylliumsamen
Psylliumsamen sind ein natürliches Abführmittel

Trinken Sie viel Flüssigkeit

Für eine gute Verdauung brauchen Sie nicht nur Fasern, sondern auch Flüssigkeit. Der Flüssigkeitsbedarf ist in der heißen Jahreszeit und wenn Sie Sport treiben gesteigert, aber im allgemeinen sollten Sie sechs bis acht Gläser Flüssigkeit pro Tag zu sich nehmen, empfiehlt Dr. Rhodes.

Vorsicht bei Milchprodukten

Mit Milch sollten Sie allerdings etwas sparsamer umgehen. Viele Leute, die über Reizdarm klagen, haben in Wirklichkeit eine Laktoseunverträglichkeit, sagt Dr. William J. Snape vom Harbor-UCLA Medical Center in Torrance, Kalifornien. Bei dieser Krankheit liegt eine Störung der Laktoseverdauung vor. Sie können einen Laktose-Intoleranztest von Ihrem Arzt durchführen lassen oder aber auch einige Tage auf Milchprodukte verzichten und beobachten, wie es Ihnen dabei geht.

Essen Sie weniger Fett

Jetzt haben Sie noch einen weiteren Grund, sich fettärmer zu ernähren. Fett ist der wichtigste Stimulator der Darmkontraktionen, sagt Dr. Snape. Es kann also zu einer Verschlimmerung des Reizdarms kommen. Verzichten Sie auf schwere Saucen, frittierte Nahrungsmittel und Salatöl, empfiehlt Dr. Snape.

Der andere Weg

Schmerzfrei durch die eigenen Vorstellungskraft

Vielleicht sind Sie bei der letzten Reizdarmattacke in Panik geraten und haben sich innerlichem Streß ausgesetzt. Ganz falsch, denn gerade Streß führt zu weiteren Verkrampfungen des Darmes und damit zu mehr Schmerzen. Wie kann man diesen Teufelskreis unterbrechen?

Durch Visualisierung, meint Dr. Donna Copeland von der American Psychological Association. Das ist ein perfektes Mittel für den Umgang mit Schmerzen und Angst. Visualisierungstechniken erlernen Sie am besten bei einem Fachkundigen. Sie können aber auch selbst einige Techniken ausprobieren.

Dr. Copeland schlägt folgendes Vorgehen vor: Sobald Sie Schmerzen haben, sollten Sie Ihre Arbeit zur Seite legen, sich bequem hinsetzen oder -legen, die Augen schließen und sich auf sich selbst konzentrieren:

  • Stellen Sie sich vor, Sie tauchen im warmen Ozean vor einer tropischen Insel mit weißem Sand,
  • oder Sie stehen auf dem schneebeckten Gipfel eines hohen Berges und atmen die kalte Luft und hören den Schnee unter Ihren Füßen knirschen,
  • oder Sie sitzen in einem großen Holztrog im warmen Wasser und unterhalten sich mit Ihren liebsten Freunden,
  • oder Sie spazieren in einem Garten mit üppiger Vegetation in einem fernen, exotischen Land

Was tun gegen Blähungen?

Einige Patienten mit Reizdarm reagieren besonders empfindlich auf blähende Nahrungsmittel, sagt Dr. Rhodes. Wenn Sie dazugehören, sollten Sie auf Bohnen, Weißkohl, Rosenkohl, Brokkoli, Blumenkohl und Zwiebeln verzichten.

Langsam mit Kleie beginnen

Wenn Sie Fasern in Form von Kleie zu sich nehmen, sollten Sie mit kleinen Mengen beginnen, damit sich Ihr Körper daran gewöhnen kann. Zu große Fasermengen, die auch noch schnell gegessen werden, können zu Blähungen führen, meint Rhodes.

Achtung, würzig!

Einige Reizdarmpatienten reagieren empfindlich auf Mahlzeiten, die viel Pfeffer und andere Gewürze enthalten, meint
Dr. Rhodes. Essen Sie eine Woche lang stark gewürzte Speisen und in der nächsten in dieser Hinsicht neutrale Gerichte, und beobachten Sie, ob sich Ihr Zustand dadurch verändert.

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Gewürze sind Lecker. Können aber auch zur Unverträglichkeit führen

Vorsicht bei saurer Kost

SaureNahrungsmittel machen Reizdarmpatienten ebenfalls zu schaffen, sagt Dr. Rhodes. Auch in diesem Fall können Sie einmal den Versuch machen, Nahrungsmittel wie Orangen, Grapefruits, Tomaten und Essig als Salatdressing auszulassen, und beobachten, ob es Ihnen dann besser geht.

Vorsicht auch mit Kaffee

Kaffee ist am häufigsten schuld, wenn Reizdarmpatienten Probleme haben, sagt Dr. Snape. Koffein ist in den meisten Fällen der Übeltäter, aber es könnte auch an den in den Kaffeebohnen vorkommenden Harzen liegen. Vielleicht vertragen Sie koffeinfreien Kaffee besser. Macht es keinen Unterschied, dann sollten Sie auf Kaffee gänzlich verzichten.

kaffee
Kaffee ist ein Genuss. Kann aber Harze enthalten

Bier und Rotwein, nein danke

Alkoholgenuß kann zu einer Verschlimmerung der Beschwerden führen. Doch wahrscheinlich liegt es nicht am Alkohol selbst, meint Dr. Snape, sondern am Kohlenhydratgehalt von Bier und dem Gerbsäuregehalt in Rotwein. Wenn Sie an Reizdarm leiden, sollten Sie diese beiden alkoholischen Getränke meiden.

Drücken Sie die Zigarette aus

Viele Reizdarmpatienten bekommen Beschwerden, wenn sie rauchen, sagt Dr. Snape. Schlimmster Übeltäter hierbei ist das Nikotin. Wenn Sie sich also das Rauchen mit Hilfe von nikotinhaltigem Kaugummi abgewöhnen wollen, werden Sie weiterhin an Verdauungsproblemen leiden.

Maß halten mit Süßem

Nicht nur der Nikotinkaugummi kann Probleme machen, sondern auch andere Kaugummisorten und Süßigkeiten, die Sorbit als Süßstoff enthalten, meint Dr. Drossman. Auf die Menge kommt es an: Ein Streifen Kaugummi oder ein Bonbon am Tag bereiten keine Probleme, wenn Sie aber bisher zehn Teilchen täglich in sich hineingestopft haben, sollten Sie sich lieber etwas zurückhalten.

Essen Sie oft, aber wenig

Wenn Sie zuviel auf einmal essen, kommt es zu einer übermäßigen Stimulation des Verdauungssystems. Es ist deshalb besser, häufiger kleine Mahlzeiten zu sich zu nehmen.

Sport beruhigt den Darm

Wenn der Körper in Form ist, dann ist auch der Darm in Form, meint Dr. Rhodes. Regelmäßiger Sport beruhigt den Darm – aber übertreiben Sie nicht, denn zuviel Sport verursacht Durchfall.

Nehmen Sie ein Schmerzmittel

Hormonelle Veränderungen verschlimmern mitunter die bereits bestehenden Reizdarmbeschwerden. Deshalb werden Frauen oft während der Periode von Schmerzattacken heimgesucht, sagt Dr. Drossman. Gegen die Schmerzen können Sie Ibuprofen-Präparate einnehmen.

Wärmflasche zur Linderung

Wenn Sie Bauchschmerzen bekommen, sollten Sie sich hinsetzen oder -legen, tief durchatmen und versuchen, Entspannung zu finden. Manchen hilft eine Wärmflasche oder ein Heizkissen, das sie sich auf den Bauch legen, meint Dr. Snape.

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Eine Wärmflasche kann Linderung bringen

Expertenquellen:

  • Dr. Donna Copeland (Ph.D.) ist klinische Psychologin und Präsidentin der Abteilung Hypnose der American Psychological Association. Sie ist auch Professorin für Pädiatrie und Direktorin der Mental Health Section am D. Anderson Cancer Center der Universität Texas in Houston.
  • Dr. Douglas A. Drossman (M.D.) ist Gastroenterologe und Psychiater. Er ist Professor für Medizin und Psychiatrie mit Schwerpunkt Verdauungskrankheiten und Ernährungsmedizin an der Chapel Hill School of Medicine der Universität von Nordkarolina.
  • Dr. James B. Rhodes (M.D.) ist Professor für Medizin mit Schwerpunkt Gastroenterologie am University of Kansas Medical Center in Kansas City.
  • Dr. William J. Snape (M.D.) ist Professor für Medizin, Leiter der Abteilung Gastroenterologie und Direktor des Inflammatory Bowel Disease Center am Harbor-UCLA Medical Center in Torrance, Kalifornien.

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