Es gibt wohl kaum einen Bereich im Internet, um den sich so viele Gerüchte ranken wie um das Darknet. An diesem mysteriösen Ort gibt es wirklich alles. Von Waffen über Drogen bis hin zu gefälschten Ausweisen und Anleitungen zum Bomben bauen.

Der Schwarzmarkt des Internets. Das Darknet ist aber mehr als bloß ein Tummelplatz für Cyberkriminalität. Es ist in erster Linie ein Ort, der den Nutzern totale Anonymität gewährleistet.

Hier regiert die absolute Informationsfreiheit. Das kommt natürlich mit Vor- und Nachteilen. Im Folgenden gibt es alle Informationen rund ums Thema: Was genau das Darknet ist, wie man reinkommt, was legal ist und was bei der Nutzung beachtet werden soll.

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Darknet: Was ist das? Wie kommt man rein?

Was ist das Darknet?

Das Internet, welches die meisten von uns kennen und nutzen, ist nur die Oberfläche eines riesigen Netzwerkes. Sozusagen die Spitze des Eisbergs. Was viele nicht wissen, ist, dass sich dahinter das sogenannte Deep Web oder Hidden Web befindet. Also das tiefe oder versteckte Netzwerk. Dieses besteht aus Handelsplattformen, privaten Netzwerken, Datenbanken, Forschungsnetzwerken, Foren und anonymen E-Mail-Diensten. Laut Schätzungen ist das Deep Web 500 bis 1000 Mal so groß wie das uns bekannte Internet.

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Im Unterschied zum „normalen“ Internet, sind die Inhalte des Deep Web nicht indiziert. Mit anderen Worten, sie werden von Suchmaschinen wie Google nicht erfasst. Das hat unterschiedliche Gründe. Manche Inhalte sind gesperrt, andere sind nicht verlinkt, beispielsweise weil sie für sensible Inhalte der Regierung genutzt werden, privat bleiben sollen oder fachspezifisch sind. Wieder andere bestehen aus nicht erfassbaren Dateitypen.

Viele denken, Darknet und Deep Web seien dasselbe. Dem ist aber nicht so. Das Darknet macht lediglich einen kleinen Teil des Deep Webs aus. Wer darauf zugreifen möchte, muss eine bestimmte Software, den TOR-Browser, installieren. TOR steht dabei für The Onion Router, was auf Deutsch so viel wie Zwiebelrouter bedeutet. Der Name rührt daher, dass das TOR-Netzwerk, wie eine Zwiebel, in mehreren Schichten aufgebaut ist, also über mehrere Proxyserver geleitet wird. Das hält die Internetverbindung anonym, der Nutzer kann nicht nachverfolgt werden. Ansonsten funktioniert der Tor-Browser im Grunde genommen wie ein normaler Browser.

Die Entstehung des Darknet

Im Jahre 2000 veröffentlichte der Softwareentwickler Ian Clarke das sogenannte Freenet, dass erstmals Zugang zum Deep Web ermöglichte. Die Tür zum ungehinderten Teilen von Dateien war somit geöffnet. Darauf basierend, veröffentlichte das U.S. Research Laboratory zwei Jahre später die erste Version des heutigen TOR-Browsers. Erstmals war es möglich, Dateien herunterzuladen, ohne dass die IP-Adresse oder der Standort des Nutzers angezeigt wurden. Das amerikanische Militär gehörte dabei zu den wichtigsten Förderern des Projekts. Ursprünglich war es nämlich zur Nutzung von amerikanischen Agenten im Ausland gedacht. Auch Bürger in repressiven Staaten sollten so eine Möglichkeit erhalten, sich informieren und austauschen zu können. Für beides wird das Darknet nach wie vor genutzt.

Doch schon bald erkannten gewisse Personen weltweit das Potenzial eines anonymen Netzwerkes für kriminelle Machenschaften. Bereits 2005 war das Darknet ein boomender Markt für urheberrechtlich geschützten Inhalten wie Filme und Software.

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2009 revolutionierte die Erfindung des Bitcoins das Darknet. Endlich war es möglich, online zu bezahlen und dabei anonym zu bleiben! Der perfekte Schwarzmarkt war geboren. Obwohl das FBI und andere Strafverfolgungsbehörden immer wieder illegale Marktplätze auffliegen lassen, floriert dieser versteckte Online-Markt seither gewaltig.

So kommt man ins Darknet

Ins Darknet zu kommen ist einfach. Man muss lediglich den TOR-Browser herunterladen. Für den PC oder Mac bedeutet das einen Aufwand von wenigen Minuten. Der Browser lässt sich ebenso problemlos auf den meisten Smartphones installieren. Am besten funktioniert das mit Android. Die dazu benötigte App Orbot gibt es in Google Play. Wer ein iPhone hat, sucht im App-Store nach dem Onion Browser. Dieser funktioniert allerdings nur mit Einschränkungen. Visuelle Daten und Mediendateien zeigt er nicht an. Mit einem Windows-Phone ist es leider nicht möglich, den TOR-Browser zu nutzen.

Tor-Browser

Der Browser existiert nicht ausschließlich für die Nutzung des Darknet, sondern man kann damit auch ganz normal im Internet surfen. Der Unterschied zu bekannten Browsern ist, wie bereits erwähnt, dass der Nutzer hier anonym unterwegs ist. Das kann durchaus nützlich sein, um seine persönlichen Daten zu schützen.

Denn wer im Internet surft, gibt über seine IP-Adresse ziemlich viel von sich selber Preis. Eine besuchte Website erhält Informationen wie den Standort, welcher Browser benutzt wird oder über den benutzten Internetanschluss. Viele Websites haben zusätzlich Cookies installiert, die ein Nutzerprofil erstellen. Das Resultat kennt jeder: personalisierte Werbung. Hat man gestern noch nach einem Flug in die Malediven gesucht, werden einem heute bereits Werbebanner für Billigflüge oder Hotels auf dem Inselparadies angezeigt.

Unterschied zum normalen Internet

Wer anfängt, das Darknet zu erkunden, stellt schnell fest: Es erinnert in seiner Aufmachung stark an das Internet der 1990er Jahre. Einfachste Websites mit neonfarbenen Schriftarten dominieren den Bildschirm. Außerdem ist die Verbindung extrem langsam, eben weil sie über verschiedene Proxyserver geleitet wird.

Auch liegen die Zugänge nicht, wie bei normalen Websites, auf Servern, sondern auf einzelnen PCs. Das führt dazu, dass die einzelnen Websites nicht immer erreichbar sind. Schaltet der Betreiber nämlich seinen Computer aus, ist der Zugriff auf seine Website nicht mehr möglich. Außerdem lassen die URLs nicht auf den Inhalt schließen, sondern sind eine kryptische Kombination aus Zahlen und Buchstaben, die jeweils auf .onion enden, statt auf .de oder .com.

Im Darknet surfen

Das Hidden Wiki und das Onion Wiki enthalten eine Sammlung von verschiedenen Adressen im Darknet. Die meisten dieser Links führen allerdings in Leere. Das Sprichwort, das Internet vergisst nie, trifft eben nicht auf das Darknet zu. Dieses kann Inhalte sehr schnell vergessen, beziehungsweise nicht mehr zugänglich machen oder unter einer anderen Adresse unterbringen.

Eine zentrale Suchmaschine, wie Google oder Yahoo, gibt es nicht. Zudem ändern viele Betreiber die URL ihrer Website ständig. Dies macht es extrem schwierig, bestimmte Inhalte zu finden. Ohne eine Einladung vom Website-Betreiber ist es oft unmöglich, darauf zuzugreifen. Wer neu im Netz ist, muss außerdem erst deren Vertrauen gewinnen – zu groß ist die Angst vor den Gesetzesschützern.

darknet index

Es existiert zwar ein komplettes Linkverzeichnis des Darknet oder, wie es die Betreiber nennen, das längste und nutzloseste Onion-Verzeichnis in der gesamten Galaxie. Aber auch diese Links führen zum größten Teil ins Nichts. Wer trotzdem neugierig geworden ist, kann die zufällige Navigierung ausprobieren. Wer weiß, vielleicht kommen ja spannenden Inhalte zutage. Denn eines ist sicher, im Darknet gibt es die skurrilsten Sachen zu entdecken!

Was wird im Darknet angeboten?

Im Darknet gibt es alles. Wirklich alles. Die Datenmenge ist enorm, nämlich geschätzte 500 Mal größer als die im normalen Internet. Dabei ist aber nicht alles illegaler Natur, sondern „nur“ etwas mehr als die Hälfte der Inhalte. Es finden sich raubkopierte Medien wie Filme, Musik oder Serien. Illegale Software-Lizenzen, extremistische Websites, terroristische Foren, Waffen, Drogen, illegale Pornografie, gestohlene Identitäten, Zugangsdaten und sogar Auftragsmörder lassen sich hier engagieren.

Meistgenutzte Angebote Darknet

In Deutschland nutzen täglich rund 186‘000 Personen das Darknet. Damit liegt die Republik auf Platz drei der Darknet-Nutzer, direkt hinter den USA und Russland. Das bedeutet aber nicht, dass zwei Prozent aller Deutschen illegal unterwegs sind. Viele nutzen es, wie bereits erwähnt, um anonym zu bleiben. Bloß im Darknet zu surfen ist legal. Strafbar macht sich nur, wer dort illegale Services nutzt, Drogen kauft, Kinderpornografie anschaut, oder ähnliches. Wieso benutzen also legale User im Darknet?

Legale Inhalte machen tatsächlich rund 40 % des Netzwerks aus. Denn es gibt durchaus auch nicht kriminelle Beweggründe, in die dunkle Seite des Internets abzutauchen. In erster Linie in Ländern, deren Regierung Inhalte zensiert. Hier ist das Darknet oft die einzige Möglichkeit für Staatsangehörige, ihre Meinung frei zu äußern. Oppositionelle haben währen dem arabischen Frühling ihre Demonstrationen via Darknet organisiert, um ein Beispiel zu nennen. Für Journalisten ist es ein wichtiges Hilfsmittel, um sensible Daten zu recherchieren. Auch Whistleblower publizieren ihre Informationen in der Anonymität des Darknet. Außerdem gibt es zahlreiche Foren, wo sich Gleichgesinnte austauschen. Zu absolut legalen Themen.

Ein relativ guter Überblick über die Inhalte des Darknet gibt diese Landkarte von Hyperion Gray. Die kleine amerikanische Software-Firma trug alle Hidden Services die sie auf TOR finden konnten, anhand von Screenshots zusammen. Illegale oder besonders schmutzige Inhalte hat die Firma unkenntlich gemacht.

Sicher unterwegs im Darknet

Sicherheit ist im Darknet noch wichtiger als im gewohnten Cyberalltag. Auch wenn viele Seiten schwierig zu finden sind, kann man schnell auf einer illegalen Seite landet. Wer aus Versehen eine Seite mit Kinderpornografie öffnet, dem droht unter Umständen eine Strafverfolgung. Auch sind viele Betrüger und Abzocker hier unterwegs. Deshalb folgende Sicherheitsmaßnahmen bitte ernst nehmen:

  • Regel Nummer eins und die wichtigste aller Regeln: Niemals, wirklich unter keinen Umständen, persönliche Daten preisgeben. Dazu gehören der eigene Name, Adresse, Kreditkartennummer, etc.
  • Nichts glauben. Wirklich, nichts.
  • Niemandem trauen.
  • Windows ist sehr anfällig für Viren. Es ist sicherer, das Darknet mit einem Mac oder Linux zu benutzen.
  • Nicht in soziale Netzwerke wie Facebook oder Pinterest einloggen.
  • Die Webcam abkleben.
  • Noch einmal: nichts Illegales kaufen.

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